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Ellenbogenluxation: Ursachen, Symptome und Behandlung

  • 24. Juni
  • 4 Min. Lesezeit

Die Ellenbogenluxation – umgangssprachlich auch „ausgerenkter“ oder „ausgekugelter Ellenbogen“ – ist nach der Schulter die zweithäufigste Gelenkauskugelung beim Erwachsenen. Betroffen sind vor allem junge, sportlich aktive Menschen.


Dabei verlieren die Knochen des Ellenbogengelenks – Oberarm, Elle und Speiche – ihren normalen Kontakt zueinander. Die Verletzung klingt zunächst eindeutig, birgt aber häufig Begleitverletzungen, die leicht übersehen werden und langfristige Folgen haben können.


In diesem Beitrag erfahren Sie:

  • Welche Ursachen eine Ellenbogenluxation hat

  • Wie die Diagnostik abläuft

  • Welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt

  • Wann eine Operation sinnvoll ist

  • Wie die Nachsorge aussieht


Die gute Nachricht: Wird die Verletzung frühzeitig erkannt und korrekt behandelt, können die meisten Patienten wieder eine sehr gute Funktion des Ellenbogens erreichen.



Frau klettert an bunter Boulderwand im Indoor-Kletterraum, greift orange Griffe, konzentriert und angespannt.


Was ist eine Ellenbogenluxation?

Bei einer Ellenbogenluxation verlieren die Gelenkpartner des Ellenbogens ihren normalen Kontakt zueinander. Dabei können neben den Knochen auch Bänder, Knorpel, Muskeln und Gelenkkapsel verletzt werden.

Man unterscheidet:


  • Einfache Ellenbogenluxation: reine Bandverletzung ohne Knochenbruch

  • Komplexe Ellenbogenluxation: zusätzliche Frakturen oder schwerere Begleitverletzungen


Gerade komplexe Verletzungen benötigen häufig eine operative Versorgung durch einen erfahrenen Ellenbogenspezialisten.



Wie entsteht ein ausgerenkter Ellenbogen?

Der häufigste Auslöser ist ein Sturz auf die ausgestreckte Hand – dabei wirken Drehkräfte auf das Gelenk ein, die die Bänder zum Reißen bringen. In ca. 80–85 % der Fälle weicht der Unterarm nach hinten aus (sog. posteriore Luxation).


Typische Ursachen sind:


  • Sturz auf den ausgestreckten Arm – z. B. beim Sport, Radfahren oder Stolpern

  • Direkter Aufprall auf den Ellenbogen

  • Sportunfälle bei Kampfsport, Klettern oder Kontaktsportarten

  • Chronische Überlastung bei Wurfsportlern (z. B. Handball, Baseball)



Welche Symptome sind typisch?


Eine Ellenbogenluxation ist in der Regel sofort und eindeutig spürbar:


  • Plötzlicher, heftiger Schmerz unmittelbar nach dem Unfall

  • Sichtbare Fehlstellung des Ellenbogens

  • Schwellung und Bluterguss innerhalb weniger Minuten

  • Bewegungsverlust – Beugen und Strecken kaum möglich

  • Kribbeln oder Taubheit im Kleinfinger- oder Ringfingerbereich


Wichtig: Bei Verdacht auf eine Ellenbogenluxation sofort einen Arzt oder die Notaufnahme aufsuchen. Eigenmächtiges Einrenken ist gefährlich und kann Nerven oder Gefäße verletzen.



Was sollte man unmittelbar nach dem Unfall tun?

  • Arm ruhig halten

  • Kühlen

  • Keine Eigenversuche zur Einrenkung

  • Schnellstmöglich eine Notaufnahme oder einen Unfallchirurgen aufsuchen


Frau greift sich an den schmerzenden Ellenbogen und hält diesen dabei gebeugt


Diagnostik


Die Diagnose lässt sich häufig bereits durch die klinische Untersuchung vermuten. Anschließend erfolgt eine bildgebende Abklärung.


  • Röntgen: Standarduntersuchung zum Nachweis der Luxation

  • CT: bei Verdacht auf Knochenverletzungen

  • MRT: zur Beurteilung von Bändern, Knorpel und Weichteilen

  • Stabilitätsprüfung nach der Einrenkung: Der entscheidende Test – zeigt, ob das Gelenk stabil ist oder zu einer erneuten Ausrenkung neigt


Besonders wichtig ist das Erkennen möglicher Begleitverletzungen, da diese die Behandlung entscheidend beeinflussen.



Konservative Behandlung


Bei einer einfachen Luxation ohne Begleitfraktur ist die konservative Therapie das Mittel der Wahl – mit sehr guten Langzeitergebnissen:


Zunächst wird das Gelenk in Kurznarkose geschlossen eingerenkt (reponiert). Danach folgt eine kurze Ruhigstellung für ca. eine Woche in einer Schiene, bevor mit der Physiotherapie begonnen wird.


Studien zeigen: Je früher die Beübung beginnt, desto besser das Ergebnis. Eine zu lange Ruhigstellung erhöht das Risiko einer bleibenden Bewegungseinschränkung deutlich. Begleitend helfen entzündungshemmende Medikamente und Kühlung in den ersten Tagen.



Wann ist eine Operation notwendig?


Eine Operation ist notwendig bei:


  • Instabilität nach der Einrenkung – das Gelenk neigt zur erneuten Ausrenkung

  • Begleitfrakturen (z. B. Speichenkopf, Kronenfortsatz)

  • Schwerem Bandschaden


Wichtig: Die operative Bandnaht muss innerhalb von 14 Tagen nach dem Unfall erfolgen. Danach setzt eine rasche Vernarbung ein, die eine direkte Naht nicht mehr zuverlässig möglich macht.



Bandnaht und Internal Bracing


Gerissene Bänder werden mit Fadenkern-Ankern direkt am Knochen refixiert. Bewährt hat sich zudem das sog. „Internal Bracing" – eine Verstärkung mit einem nicht-resorbierbaren Band-Tape, das sofortige Stabilität gibt und eine frühzeitige Bewegung nach der OP ermöglicht.



Operative Stabilisierung einer Ellenbogeninstabilität mit "Internal Bracing" (https://www.arthrex.com/de/ellbogen/internalbrace-operationsverfahren-fuer-ucl-rekonstruktion)
Operative Stabilisierung einer Ellenbogeninstabilität mit "Internal Bracing"


Versorgung von Begleitfrakturen


Knochenbrüche werden je nach Schwere mit Schrauben oder Platten fixiert. Beim Speichenkopf kann bei nicht rekonstruierbaren Trümmerfrakturen auch eine Prothese eingesetzt werden. Eine einfache Entfernung des Speichenkopfes ohne Ersatz ist zu vermeiden – sie kann zu dauerhafter Instabilität führen.



Operative Stabilisierung einer Fraktur des Processus coronoideus mittels Platten- und Schraubenosteosynthese (https://medartis.com/de/loesungen/obere-extremitaeten/ellenbogen/coronoidplatten-20)
Operative Stabilisierung einer Fraktur des Processus coronoideus mittels Platten- und Schraubenosteosynthese


Bandplastiken bei chronischer Instabilität


Wenn nach einer schlecht ausgeheilten Luxation eine dauerhafte Instabilität verbleibt, kommen Sehnentransplantate (z. B. die Gracilissehne vom Oberschenkel) zum Einsatz, um die Bänder dauerhaft zu rekonstruieren. Dies ist auch bei Wurfsportlern mit chronischem Bandverschleiß die Therapie der Wahl.



Besondere Verletzungsmuster


Bei einigen Patienten treten zusätzlich Knochenbrüche auf. Eine bekannte Kombination ist die sogenannte „Terrible Triad“des Ellenbogens. Hier liegen eine Ellenbogenluxation sowie Frakturen wichtiger knöcherner Stabilisatoren vor.

Diese Verletzungen erfordern in der Regel eine operative Versorgung und eine engmaschige Nachbehandlung.



Heilungsdauer und Rehabilitation

Verletzung

Typische Heilungsdauer

Einfache Ellenbogenluxation

6–8 Wochen

Operativ versorgte Verletzung

3–6 Monate

Die individuelle Heilungsdauer hängt von Alter, Aktivitätsniveau und dem Ausmaß der Verletzung ab.


Eine strukturierte Physiotherapie ist für die Wiederherstellung von Beweglichkeit, Kraft und Koordination entscheidend.



Wann ist Sport wieder möglich?


Bei unkomplizierten Verläufen kann häufig nach 8 bis 12 Wochen wieder mit sportlichen Aktivitäten begonnen werden. Kontakt- und Risikosportarten benötigen oftmals eine längere Rehabilitation.


Nach Operationen erfolgt die Freigabe individuell durch den behandelnden Spezialisten.



Mögliche Komplikationen


  • Bleibende Bewegungseinschränkung

  • Chronische Instabilität

  • Nervenreizungen

  • Verknöcherungen im Weichteilgewebe

  • Frühzeitiger Gelenkverschleiß


Eine frühzeitige Behandlung und konsequente Nachsorge helfen, diese Risiken zu minimieren.



Wie sind die Heilungschancen?


Die Prognose nach einer Ellenbogenluxation ist meist sehr gut. Entscheidend sind eine schnelle Diagnosestellung, die richtige Therapie und eine konsequente Rehabilitation.


Die meisten Patienten können ihre Alltagsaktivitäten wieder uneingeschränkt aufnehmen.



Warum zum Ellenbogenspezialisten?


Komplexe Ellenbogenverletzungen gehören zu den anspruchsvollsten Verletzungen der oberen Extremität.


Nicht erkannte Begleitverletzungen können langfristig zu Instabilität, Schmerzen oder Bewegungseinschränkungen führen.

Eine spezialisierte Diagnostik und Behandlung verbessert die Chancen auf ein dauerhaft gutes Ergebnis.


Fazit

  • Die Ellenbogenluxation ist eine ernste Verletzung, die sofortige ärztliche Behandlung erfordert.

  • Bei einfachen Luxationen ist die Einrenkung mit anschließender Physiotherapie in den meisten Fällen ausreichend – mit sehr guten Langzeitergebnissen.

  • Bei Begleitfrakturen oder anhaltender Instabilität ist eine Operation notwendig – und sollte innerhalb von 14 Tagen erfolgen.

  • Rund 50 % aller Ellenbogenluxationen gehen mit Knochenbrüchen einher – eine gründliche Diagnostik ist deshalb unverzichtbar.

  • Die frühzeitige Physiotherapie ist der wichtigste Faktor für ein gutes Ergebnis.

  • Ob und welche Operation sinnvoll ist, sollte immer individuell mit einem erfahrenen Ellenbogenspezialisten besprochen werden.


Häufige Fragen (FAQ)

Muss jede Ellenbogenluxation operiert werden?Nein. Viele einfache Luxationen können erfolgreich ohne Operation behandelt werden.

Wie lange dauert die Heilung?Je nach Verletzung zwischen sechs Wochen und mehreren Monaten.

Kann der Ellenbogen erneut ausrenken?Das Risiko ist geringer als an der Schulter, kann bei Instabilität jedoch bestehen.

Wann darf ich wieder Sport treiben?Häufig nach 8 bis 12 Wochen, bei komplexen Verletzungen später.


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Portrait von Priv. Doz. Gleich, Facharzt für Orthopädie & Unfallchirurgie, Experte für Ellenbogenbeschwerden




Priv. Doz. Dr. med. Johannes Gleich

Facharzt für Orthopädie

und Unfallchirurgie,

Notfallmedizin





 
 
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