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Schulterarthrose. 3 Wege zu einer schmerzfreien Schulter.

Gelenke können im Laufe des Lebens verschleißen. Entweder aufgrund jahrelanger starker Belastung, oder als Folge eines Unfalls. Auch eine genetische Veranlagung wird diskutiert.



In diesem Beitrag erfahren Sie:


  1. Das muss man über Knorpel wissen.

  2. Wie fühlt sich eine Arthrose an und was kann ich dagegen tun?

  3. Wie lange kann ich eine Arthrose hinauszögern und wann ist eine Operation sinnvoll?

  4. 3 Therapieformen bei Knorpelschäden und Arthrose.

  5. Wie sieht es mit Sport nach einer Knorpeltransplantation aus?





1. Das muss man über Knorpel wissen.


Knorpel ist wie ein Puffer für unserer Gelenke und federt Belastungen ab. Je nach Art der Gelenke ist diese Schicht bis zu 5 mm dick. In der Schulter ist die durchschnittliche Dicke pro Gelenkpartner zwischen 2-4mm. Sie ist eng mit dem Knochen verbunden und wirkt dank ihrer wasserspeichernden Eigenschaften wie ein Stoßdämpfer.


Knorpel fängt den Druck ab und verteilt ihn gleichmäßig auf die Gelenkknochen.

Da im Knorpel nur wenige Zellen vorhanden sind, verläuft der Stoffwechsel und der damit verbundene Knorpelaufbau sehr langsam.


Knorpelgewebe unterliegt ständigen Erneuerung- und Umbauprozessen, in manchen Fällen ist das Gewebe aber zu schwach um den Belastungen standzuhalten und ein Knorpelschaden kann sich ausbreiten.


Knorpel besteht aus Knopelzellen (Chondrozyten) und der von ihnen gebildeten Interzellularsubstanz. In der Interzellularsubstanz befinden sich ein hoher Anteil Wasser, Proteine sowie Kollagen, elastische Bindegewebsfasern und Hyaluronsäure.


Knorpelgewebe ist frei von Blutgefäßen und ernährt sich über Diffusion, über die Knorpelhaut und über die Gelenkflüssigkeit (Synovia) im Gelenkraum.


Man unterscheidet drei Knorpelarten:

Hyaliner Knorpel besitzt eine hohe Druckelastizität und findet sich u.a. im Schultergelenk als Überzug über dem Oberarmkopf und der Gelenkpfanne. Elastischer Knorpel besitzt dagegen besonders viele elastische Fasern und ist sehr gut biegsam, so formt er z.B. die Ohrmuschel.

Faserknorpel enhält viele kollagene Fasern und ist Hauptbestandteil der Bandscheiben und der Gelenklippe in der Schulter (Labrum).




Hyaliner Knorpel



Eine Verletzung im Gelenk kann einen Knorpelschaden verursachen. Während man bei einem Knorpelschaden von einer umschrieben lokalisierten Veränderung am Knorpel spricht, ist eine Arthrose eine Erkrankung, die das gesamte Gelenk inkl. des Knochens betrifft.


Dabei kommt es durch Anpassungsreaktionen des Knochens aufgrund fehlenden Knorpelgewebes zu Veränderungen. Dabei können sich kleine Zysten im Knochen bilden oder knöcherne Ausziehungen (Osteophyten).





Im fortgeschrittenen Fall ist der Knorpel vollständig augebraucht und man fährt sozusagen auf der Felge. Eine Arthritis beschreibt dagegen eine Gelenkentzündung bei der vor allem die Gelenkschleimhaut betroffen ist.


Verschiedene Formen der Arthitis (z.B. rheumatoide Arthrtis) führen über die Zeit auch zu Veränderungen am Knorpel und am Knochen wodurch sie dann das Bild einer Arthrose annehmen.




2. Wie fühlt sich eine Arthrose an und was kann ich dagegen tun?


Typisch für eine Arthrose ist ein Bewegungsschmerz, oft am Anfang nach einer längeren Ruhephase.


Während die Schulter in Ruhe noch ganz entspannt ist, schmerzt es zum Beispiel morgens bei der ersten Drehung aus dem Bett. Nachdem die Schulter bewegt wurde, lassen die Schmerzen häufig erstmal wieder nach.


Bei chronischen Knorpelschäden ist die Schleimhaut des Schultergelenks oft permanent entzündet, fühlt sich warm an und die Schulter ist geschwollen. Typisch sind dann ein Gelenkerguss und Bewegungseinschränkungen, vor allem die Rotation der Schulter ist meist betroffen.






Häufig lässt sich das Schultergelenk nicht mehr nach außen drehen oder die Hand nicht nach hinten führen um einen Gürtel umzulegen oder einen BH zu verschließen.


Durch Schonhaltungen verstärken sich jedoch die Symtome der Arthrose im Verlauf. In einem spätem Stadium sind die Schmerzen oft dauerhaft vorhanden, führen zu immer weniger Bewegung und auch Alltagsbewegungen fallen schwer oder sind oft gar nicht mehr möglich.


Da es sich bei der Arthrose nicht um eine akute Erkrankung, sondern um einen schleichenden Prozess handelt, gibt es keine "heilende" Sofort-Hilfe, sondern nur Maßnahmen, um die Schmerzen zu lindern.


Kurzfristig können Schmerzmittel oder Salben die Symptome reduzieren, meistens wird die Schulter unweigerlich geschont um schmerzhafte Bewegungen zu vermeiden.


Bei über mehreren Wochen bestehenden Arthroseschmerzen ist eine Vorstellung beim Schulterspezialisten sinnvoll.




Wie lange kann ich eine Arthrose rauszögern, und wann ist eine OP ratsam?


Über den Zeitpunkt einer Operation bei Arthrose entscheidet jeder Patient / jede Patientin selbst.


Eine Arthrose ist nicht heilbar, es lassen sich Beschwerden aber häufig durch konservative Maßnahmen lindern und das Problem für eine längere Zeit rausschieben.


In dieser Zeit spielen Physiotherapie und Bewegungsübungen eine wichtige Rolle, da sie die Beweglichkeit des Gelenks erhalten und die Muskulatur vor schneller Degeneration bewahren können. So lässt sich häufig eine ganze Weile mit Arthrosebeschwerden leben.


Die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln ist nicht schädlich jedoch ist Ihr Nutzen umstritten. Knorpellzellaufbau lässt sich bei isolierten Knorpelschäden durchführen, bei einer ausgeprägten Arthrose haben sie jedoch keinen Stellenwert.






Auch kleine Eingriffe (Arthroskopisches Debridement) lassen das Zeitfenster in dem man mit einer Arthrose leben kann vorübergehend verlängern. Eine Arthrose ist jedoch nicht heilbar und im fortgeschritten Stadium mit ausgeprägten Einschränkungen, wollen Patienten ihre Lebensqualität meist zurück. In vielen Fällen kann man ein verschlissenes Gelenk dann durch ein Kunstgelenk ersetzen.


Damit möglichst kleine knochensparende Gelenke zum Einsatz kommen können, sollte nicht zu lange mit dem Gang zum Orthopäden gewartet werden.


Um den besten Zeitpunkt für ein Kunstgelenk nicht zu verpassen, können Röntgenaufnahmen in jährlichen Abständen helfen die Dynamik einzuschätzen.




4. 3 Therapieformen bei Knorpelschäden und Arthrose.


Bei der Behandlung von Knorpelschäden und Arthrose kommen eine Vielzahl an Therapieoptionen individuell auf den Patienten abgestimmt zum Einsatz.

Neben dem Erhalt der Beweglichkeit, z.B. durch Physiotherapie existieren einige spezifische Therapieformen mit dem Ziel Knorpelgewebe zu schützen, aufzubauen oder Arthrose zu verzögern oder zu therapieren.


Dabei kommen Therapieverfahren individuell auf den Patienten abgestimmt zum Einsatz. Orthesen können z.B. helfen die Gelenkposition des Oberarmkopfes bei einer Schulterinstabilität vorübergehend in der Schulterpfanne zu verbessern.


Ein weit verbreitetes Verfahren ist die Injektionstherapie, dabei können verschiedene Präparate in das Schultergelenk injeziert werden. Eines davon ist die Hyaluronsäure.


Hyaluronsäure ist eine Substanz, die in verschiedenen Organen des Körpers vorkommt, etwa in der Haut, den Augen und den Gelenken. In Gelenken sorgt Hyaluronsäure für eine gute Gleitfähigkeit der Gelenkflüssigkeit.


Dadurch können oberflächliche Knorpelabbrüche abgemildert und die Gelenke wieder schmieren, um Reizungen und damit Flüssigkeitsansammlungen und Schwellungen zu verringern.


Daneben existiert seit einigen Jahren die sog. Eigenbluttherapie an Gelenken.


Dabei wird aus dem eigenen Körper gewonnenes Blut zentrifugiert und anschließend spezielle Blutbestandteile in das Schultergelenk injeziert (ACP= autologes konditioniertes Plasma). Während die ACP-Therapie bei Sportverletzungen (Sehnen, Muskeln, Bänder) erfolgreich Anwendung findet, ist ihr Nutzen bei Knorpleschäden und Gelenkverschleiß noch nicht gesichert.





Ein Vorteil des ACP liegt darin, dass es ohne Zusatzstoffe in das Gelenk verabreicht wird und die Wirkung rein durch Freisetzung der körpereigenen Wachstumsfaktoren entsteht.


Die Behandlung mit Hyaluronsäure und ACP werden allerdings nicht von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet. Isolierte Knorpelschäden lassen sich auch operativ reparieren, wodurch eine Ausdehnung auf das gesamte Gelenk verhindern lässt.


Dabei kann an der geschädigten Stelle durch eine Mikrofrakturierung die Bildung körpereigenen Ersatzknorpels stimmuliert werden. Dies kann additiv durch eine spezielle Matrix unterstützt werden, welche auf die betroffene Stelle aufgelegt wird (AMIC).


Demgegenüber stehen Verfahren, bei denen Knorpelzellen (Chondrozytentransplantation) oder ganzes Knorpel-Knochengewebe (OATS) aus dem Gelenk an einer nicht belasteten Stelle entnommen und an die Stelle des Knorpeldefektes transplantiert werden. Bei großen Knorpeldefekten und bereits eingetretener Arthrose lassen sich Knorpelzellen noch nicht zielgerecht transplantieren.


Besonders bei jungen sportlichen Patienten mit einer Früharthrose z. B. nach Sportunfall mit Knorpeldefekt können wir heute minimal invasiv einen Teilgelenkflächersatz einbringen, der die beschädigte Knorpelfläche ersetzt ohne eine komplette Prothese einsetzen zu müssen.


In einigen Fällen kann man Beschwerden verursacht durch einen Gelenkverschleiß mit einer Knochenkorrekturen d.h. Debridement "Modellieren".


Wenn alle diese Maßnahmen erfolglos blieben, die Lebensqualität sowie die Funktion der Schulter sehr stark eingeschränkt sind und der Leidensdruck insgesamt sehr hoch ist, sollte über ein künstliches Schultergelenk nachgedacht werden.





5. Wies sieht es mit Sport nach einer Knorpeltransplantation aus?


Nach einer Knorpeltransplantation an der Schulter benötigen die eingepflanzten Knorpelzellen Zeit sich mit dem umliegenden Gewebe zu verbinden. Deshalb raten wir von sportlichen Tätigkeiten mit hohen Scherbelastungen im Schultergelenk (z.B. Rudern) für 6 Monate ab.


Dagegen kann mit überwiegend den Unterkörper beanspruchendem Sport schon nach ca. 8 Wochen begonnen werden. Fragen Sie unseren Spezialisten, wie es sich bei Ihrem Lieblingssport verhält!




Fazit:

  • Knorpel ist wie ein Puffer für unserer Gelenke und federt Belastungen ab. In der Schulter ist er ca. 2-4mm dick.


  • Knorpel besteht aus Knopelzellen (Chondrozyten) und der von ihnen gebildeten Interzellularsubstanz. In der Interzellularsubstanz befinden sich ein hoher Anteil Wasser, Proteine sowie Kollagen, elastische Bindegewebsfasern und Hyaluronsäure.


  • Typisch für eine Arthrose ist ein Bewegungsschmerz, am Anfang nach einer längeren Ruhephase.


  • Kurzfristig können Schmerzmittel oder Salben die Symptome reduzieren, meistens wird die Schulter unweigerlich geschont und eine schmerzhafte Bewegungsstörung resultiert.


  • Bei der Behandlung von Knorpelschäden und Arthrose kommen eine Vielzahl an Therapieverfahren individuell auf den Patienten abgestimmt zum Einsatz.




Sie haben Fragen zur Knorpelzelltherapie oder Arthrose?



Dann vereinbaren Sie einen Termin mit unserem Spezialisten:






Prof. Dr. med. Ben Ockert

Facharzt für Orthopädie

und Unfallchirurgie,

Sportmedizin





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